• Maxim Baller

Fast 100 Zeilen unreflektiertes Rumgejammer – Spieltag 2/34

Eine Spieltagskolumne von Maxim Baller Ich beschränke mich hier auf Dinge, die ausschließlich den Fußballsport im weiteren Sinne betreffen und dem damit verbundenen Wirken des Hamburg-Sport Vereins. Im ebenso weiteren Sinne, oder auch in einem engeren Sinne, je nach Bedarf.


Der zweite Spieltag ist vollbracht. Da war die Angelegenheit schon einmal nicht mehr so aufgeregt, alles durfte so vor sich hin und her dilettieren, wie es eigentlich dem ureigenen spielerischen Vermögen der Clubs entspricht. Auch wenn es schon fast komplett umgekehrte Ergebnisse liefert, als man es vom ersten Spieltag her erwartet. OK, die Saison ist frisch, man hat ja noch einige Wege vor sich und die Erfahrung lehrt nicht nur uns, dass ein zu souveräner Beginn eigentlich nichts zu bedeuten hat. Zumindest nicht zählbares, auf das man in Richtung Saisonabschluss aufbauen kann. Wäre ja auch langweilig. Was für Tendenzen gibt es? In der TV-Übertragung neigen die Plattformen zu einer Unsitte. Wie schon bei der vergangenen EM, werden wieder vermehrt “Publikumsimpressionen” eingefangen. Beim großen Turnier nerven dabei die Knallchargen in kunterbunten Karnevalskostümierungen, bei unserer Superduper League müssen ungefragt Zuschauerinnen herhalten, was so ein wenig die Anmutung von Fußballzusammenschnitten aus Wochenschauen der 50er Jahre hat. Man muss da kaum hysterisch den Ethos des oldschool Fußballfans als Schild vor sich hertragen, um so etwas furchtbar nervig zu finden. Genauso dank des Expertentums, fühlt sich der Kommentator permanent genötigt, eine Laberkulisse aufzuziehen, so dass man auch bei der langweiligsten Begegnung kaum in den Schlaf findet. Aufreger, ja, auch die gibt es nun wieder. Schiedsrichterentscheidungen, die einen leicht fassungslos zurücklassen: Schubsen mit Torerfolg, Handelfmeter die eigentlich ein Foulspiel waren und verletzt ausscheidende Mittelfeldspieler, die eigentlich durch rot würdiges, rohes Spiel rausgefoult worden sind, was dann aber doch nur mit einer gelben Karte geahndet worden ist, analog eines “taktischen Trikotzupfers” im Mittelfeld. Und das alles mit Zutun des Kölner Kellerkindes.


Taktisch werden die Erfolgsmuster gefühlt trivialer.

Nach diversen Rauten, 3er Abwehrketten, die in ein 5-4-1 und zurück morphen, falschen Zehner und Doppel-Sechser, hohem Anlaufen und Anschleichen und Knurren, attestiert man der aktuellen Mannschaft der Stunde, dem Karlsruher SC, dass sie eingespielt ist. Diesen letzten Schrei hat leider die letztsaisonale Mannschaft der Stunde nicht gehört, denn das, was die Störche aus Kiel in den ersten zwei Ligapartien geboten hat, sieht nicht gerade hoffnungsbildend aus. Die Mehrheit von uns Fans hatte seinen letzten ernsthaften Heimspielbesuch irgendwann im frühen Frühjahr 2020. Zum gestrigen Spiel gegen Dresden waren 30% Fans zugelassen und ich muss gestehen, so fühlte sich das Volksparkstadion und das damit verbundene Stadionerlebnis auch an. Man kann ja historisch bedingt beim HSV kaum von einem durchgängig befriedigenden Stadionerlebnis sprechen, weder zu zugigen Volksparkstadion-Zeiten, noch zu wechselhaften Arena-Zeiten, aber unter diesen Corona-Bedingungen ist es gefühlt deutlich abtörnender. Unabhängig davon, dass rational betrachtet nichts an diesen Bedingungen zu ändern ist, und der Club keinesfalls etwas dazu kann, fehlten mir doch einige viele Dinge. Mir fehlte die über Jahre liebgewonnene Bezugsgruppe, mir fehlten die sog. organisierten und aktive Fans und mir fehlten sogar die gegnerischen Fans, die in ihrer eigenen Welt leben und voll ihren Film drehen. Man ist nach über 40 Jahren Fußball im Stadion darauf konditioniert, Dinge auf bestimmte Art und Weise zu erleben. Daher kommt es schon einer verstörenden Erfahrung gleich, dass man mitten im Spiel das Pissoir aufsucht und man ohne weiteres sich einen Platz am Urinal aussuchen kann. Um dann die neuen Becherhalter oberhalb der Pissrinnen zu bewundern. Ich fragte mich darauf, wie wohl die Entsprechung in der Damenwelt aussehen würde. Dresden weiß traditionell zu überraschen. Das nervige hohe Anlaufen wurde vom HSV geduldig absorbiert und der Gegner wurde langsam und zielstrebig Richtung Süd geschoben. Die unschlagbare Eckperspektive aus der Nord zeigte einem wieder, warum man Live im Stadion ist. Der Führungstreffer war somit konsequent und die darauf folgenden Großchancen blieben ebenso ungenutzt und ließen den routinierten HSV Anhänger nichts gutes Erahnen.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit versuchte Dresden noch einmal sein Glück, nur war jetzt die Gegenarbeit des HSV nicht mehr so stabil, wie vor der Halbzeitpause. Nun könnte man sich im Detail an Individualkritik abarbeiten, der Fokus sollte aber auf zwei generelle Aspekte gelegt werden: wie kann es einem Gegner gelingen, mehrere Schlüsselspieler abzukoppeln und warum hat man permanent das Gefühl, dass der Kader nicht tief genug ist. Unentschieden floskellike leistungsgerecht, Sonntag die erneute Hoffnung auf eine Abkürzung nach Europa und dann ist auch schon wieder… ach, lassen wird das.



In diesem Sinne
Nur der HSV!

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