• Maxim Baller

FAST 100 ZEILEN UNREFLEKTIERTES RUMGEJAMMER – Spieltag 1/34

Eine Spieltagskolumne von Maxim Baller

Ich beschränke mich hier auf Dinge, die ausschließlich den Fußballsport im weiteren Sinne betreffen und dem damit verbundenen Wirken des Hamburger Sport-Vereins. Im ebenso weiteren Sinne, oder auch in einem engeren Sinne, je nach Bedarf. Die supergalaktische Gigaallerbestezweiteliga von der ganzen (GANZEN!) Welt nimmt ihren Dienst für das Geschäftsjahr 2021/2022 auf. Selbstverständlich immer noch unter den etwas uncharmanten Rahmenbedingungen der Covid19 Pandemie, aber zumindest noch für ein paar Spieltage mit Zuschauern. Und je nach Lust und Laune der lokalen Autoritäten, eigentlich ohne Gästefans bis zum 3. Spieltag, freiwillig aber auch mit, wie in Rostock und Darmstadt. Alles begrenzt auf 50% Auslastung der Stadionkapazität, maximal 25.000 Zuschauer, in Bayern sind jedoch nur 20.000 zugelassen, während Hamburg nur 30% Auslastung erlaubt.


Wenn wir eines aus dieser Pandemie gelernt haben, dann, dass die Behörden in der Lage sind, dem mündigen Bürger eindeutige und einheitliche Handlungsvorgaben mit an die Hand zu geben.


Dann diese Woche großes Geschrei im Volkspark. Das waren nicht die Fans von Abschlach!, die wegen der neuen Single „Wir sind der HSV“ jubilierten und tirilierten. Nein, der HSV machte sich daran, die Eintrittskarten für das erste Heimspiel gegen Dynamo Dresden in den Verkauf und an die Anhänger:in zu bringen. Großes Erstaunen und noch größere Empörung machte sich breit, dass der Club die Frechheit besitzt, aufwandsreale Eintrittspreise zu verlangen. Als Beobachter kann man nur feststellen, dass bei vielen Leuten die Maßstäbe wirklich arg verrutscht sein müssen. Ganz gräuselig wird es dann, wenn einige Experten mäkeln, dass das zuletzt Gebotene wohl kaum die Erhebung überhaupt eines Eintrittsgeldes rechtfertigen würde. Wer HSV-Fan ist, sollte sich in den letzten 30 Jahren sowieso von dem Gedanken verabschiedet haben, aus diesem Fantum eine emotionale Befriedigung als Belohnung für die unglaubliche Plackerei zu erhalten. Wer dann noch glaubt, dass in den Gefilden der Vereinsmeierei alles stringent und transparent vonstatten gehen müsste, derjenige glaubt auch an den zitronenfaltenden Klapperstorch. Das Lustige ist, dass der Club bzw. der Verein, noch so holzbeinig und scharfzahnig daherkommen kann, es wird eines morgens immer irgendjemand aufstehen, dessen Leben nicht ausgelastet ist, und der diese zum Teil bizarre Veranstaltung als sein natürlichstes Betätigungsfeld auserkoren möchte.

Sportlich gibt es auch etwas zum Spieltag, potztausend - man glaubt es kaum:

Zwei Superabsteiger sind uns aus der Bundesliga 1 entgegen gewankt. Beides Clubs, die kein Mensch braucht und mit denen Fan außer veritabler Abneigung nichts anfangen kann.

Das erste Spiel sollte nun gleich der Eröffnungseventknaller des Ligabetriebes sein, selbstverständlich verbunden mit allem offiziösen DFL-Tamtam und einem medialen Hype, der seinesgleichen sucht. Es traf nun der in Fragen des Abstiegs - und vor allem des Aufstiegsversagens - mittlerweile als routiniert zu betrachtende HSV auf die Rookies von Schalke 04. In Gelsenkirchen hatte man ein Ach-so-hemdsärmeliges Selbstbewusstsein akkumuliert, gepaart mit einer Kauflaune, die eine tolle Truppe quasi im Federstrich gestaltet. Jetzt muss man nur noch das ruhende Kapital wandeln, dann klappt es auch mit der Handlungsfähigkeit.

Das Publikum bejubelte jede letzte Scheißgrätsche und irgendwie soll es vorne Terodde richten. Tat er ja kurzzeitig auch, aber wie wir letztes Jahr erfahren durften, ist dieser Ansatz nicht abendfüllend.

Die mediale Bestrahlung zum Spiel bot so manches Ärgernis. Damit sind jetzt nicht ausschließlich die staksigen Ausführungen von HW4 oder das schon hündische pro-Schalke Gelaber des Tingeltangel-Bob aus der Lausitz mit gemeint. Vielmehr geht es um das etwas tiefergehende Framing, welches Sky in seiner 5-Minuten-Zusammenfassung an den Tag legt: Frech ist es, Kinsombi bei dem eindeutigen Elfmeter unverhohlen zu unterstellen, dass der Spieler „mehr aus der Situation macht“ (sinngemäßes Zitat), den Elfmeter also schindet. Man ist sich bei Sky folglich nicht zu blöde, eine unberechtigte und unaufgeforderte „Rechtfertigung“ für die rassistischen Ausfälle einiger Schalker Anhänger zu liefern.

Eine weitere Situation ist die Verletzung des Schalker Spielers Danny Latza. Diese wird so reduziert dargestellt, dass der Zuschauer den Eindruck gewinnen kann, dass es sich nicht um ein Foulspiel des Spielers Latza handelt - was es ja im Spielverlauf war -, sondern um einen Zusammenprall, wo der Gegenspieler Leibold zumindest treibende Kraft gewesen ist. Die zeitlich nicht so topaktuelle Zusammenfassung des ZDF Sportstudio im neuen Fußballkanal, ist da deutlich wohltuend objektiver.


Als zweiter Gigamegaknaller durfte der Vertreter aus Bremen am Samstagabend mittun. Auch am Weserknick setzte sich spät am Abend die Erkenntnis durch, dass die Veranstaltung doch noch die bis dahin weg gelächelte garstige Natur annehmen wird. Was hat man sich kaputtgelacht über den blöden HSV. Faszinierend waren bei den Fernsehübertragungen die Schnitte auf die Trainerbänke von Schalke und Bremen. Fassungslose Gesichter. Was hat man bloß erwartet? Und dann gibt der Stadtteilverein den Störchen noch anständig die Jacke voll. Sonntag endlich wieder Heimspiel. Nur der HSV!


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