• Maxim Baller

Fast 100 Zeilen unreflektiertes Rumgejammer – Eine Spieltagskolumne von Maxim Baller


Ich beschränke mich hier auf Dinge, die ausschließlich den Fußballsport im weiteren Sinne betreffen und dem damit verbundenen Wirken des Hamburg Sport-Vereins. Im ebenso weiteren Sinne, oder auch in einem engeren Sinne, je nach Bedarf.





Spieltag, Stadtderby, notorisches Versagen und mitunter mehr Bewegung auf den das Wilhelm-Koch-Stadion umgebenden Straßen als auf dem Platz. Davor noch ein Erstrunden Pokalspiel, das nicht komplett in Hose ging, und eine Mitgliederversammlung des HSV e.V., die diese Bezeichnung im Grunde nicht verdient.

Kurzum, so etwas wie eine ereignisreiche Woche, gefühlt nur ohne übermäßig viele zählbare Ergebnisse. Gut, den Sportskameraden Jansen hat man mit vereinten Kräften über die Ziellinie geschleppt und das Präsidentenbegleitgremium hinterhergeschoben, nachdem sich die Veranstaltung in gewohnter Manier zäh wie Kaugummi über Stunden hinzog.

Viel Verein, wenig Leben.

428 anwesende - beziehungsweise stimmberechtigte - Mitglieder zu Beginn der Veranstaltung zeugen nicht wirklich von Vereinsleben. Immer wieder muss ich die Frage stellen: Wo sind sie denn, die Universalsportler, um die es hier primär gehen sollte? Sie sind permanent unsichtbar, sei es als abstimmende Mitglieder oder auch als gestaltende Kandidaten (für das Präsidium). Die Freude (hahaa!) an der Lizenzspielerabteilung, also unserem 2. Liga-Gewese, ist dominierend und wenn man ehrlich ist, bietet dann solch eine Veranstaltung keinen Mehrwert, außer dass formale Pflichten abgehampelt werden.


Ehrlichkeit ist ein Stichwort, auch für das Tagesgeschäft. Ein Wort, das sticht - wohl wahr, wenn man die Transferaktivitäten des HSV in der jüngeren Vergangenheit verfolgt. Leider kommen diese Worte und die damit kommunizierte Botschaft nicht an. Ich bin mir sogar sicher, dass die Botschaft gar nicht gehört wird, gehört werden will. Die Zeit des unmittelbaren Aufstiegs ist vorbei. 3 Jahre lang wurden keine Kosten und Mühen gescheut, den Aufstieg in die erste Liga zu erkaufen. Jetzt sind die Ressourcen erschöpft und der Club und das Team müssen sich mit dem begnügen, was noch da ist. Keinen Erfolg kann man auch für wenig Geld haben. Von daher sollten die Verantwortlichen sich deutlich erklären, dass da nichts Knalliges bis zum 31.08. vom Himmel fallen wird, und dass das Saisonziel „Nichtabstieg“ heißen wird. Desweiteren sollten wir uns alle auf eine längere Konsolidierungsphase in der 2. Liga einrichten, denn ab jetzt beginnt die 2. Liga und im Verhältnis zur Kaffeefahrt der letzten Jahre, ist das jetzt nur der Teil, wo die Heizdecken verkauft werden.


Wir müssen uns also endlich damit zufrieden geben, was wir an Ressourcen zu Verfügung haben.

Tim Walter ist ein Trainer, dem ich vollends vorurteilsbehaftet nichts abgewinnen kann. Das ist selbstverständlich emotional, subjektiv und komplett unfair.

Er ist unser Trainer, und er hat diese Spieler in der ihm anvertrauten Mannschaft. Punkt.

Die Voraussetzungen waren bei den anderen Trainern in den Vorjahren vielleicht nominell günstiger, aber schlussendlich waren es die überbewerteten Spieler, die uns Geld gekostet haben, in dem sie es nahezu schamlos kassiert haben, ohne einen adäquaten Gegenwert geliefert zu haben. Sie haben uns wertvolle Zeit gekostet, die unwiederbringlich verschwendet worden ist. Zeit, die wir jetzt doppelt bis dreifach neu aufwenden müssen, um auch nur an annähernd wieder an der 1. Liga zu schnuppern.


Mit dem ruckeligen Sieg im Pokalspiel gegen Braunschweig konnte man nicht zufrieden sein, finanziell ist es halbwegs tröstlich, dass das Team diesmal nicht generös auf das Kleingeld der Runde 2 verzichtet. Was soll uns die Auslosung bloß bescheren? Einen Kracher und kein volles Stadion oder doch den Stadtteilverein? Vielleicht bedeutet das dann mal ein Derby, bei dem das HSV-Team auch endlich die Bedeutung dieser Veranstaltung begreift und nicht saft- und kraftlos über das Grün trottet, um sich dabei nach Strich und Faden vom braunhemdigen Gegenüber verarschen zu lassen. Genauso sollte sich die Fanschar nicht am VAR und seinen Leistungen abarbeiten. Die Tore des Stadtteilvereines sind ohne Zutun des Schiedsrichters und des VAR gefallen. Leider auch ohne aktive Beteiligung der HSV-Abwehr und meine laienhafte Sicht sagt mir, dass eventuell eher da die Ursache zu suchen ist, an einer Stelle, an der aktiv handelnd eingegriffen werden kann. Just sayin‘…



Auch hier sollten wir ehrlich sein und uns mit bestimmten Realitäten abfinden: nachdem die gute Frau Steinhaus-Webb dem DFB etwas zu aufmüpfig wurde, ist sie flugs aus dem Kölner

Keller gen Albion weggelobt worden, ein Umstand, der getrost als Qualitätsverlust verbucht werden darf.


Froh sein durften wir nur, dass diese Niederlage gegen den Stadtteilverein diesmal freundlicherweise nicht in eine scheinbar „wichtige“ Phase gefallen ist. Die Stimmung ist eh‘ schon ausbaufähig, daher macht das nun auch nicht den Bock übermäßig fett. Wir befinden uns in einer ähnlich folgenschweren Situation, wie in den „glorreichen“ Jahren der Euroliga- „Erfolge“. So wie wir damals für keinen wirklichen Ertrag annähernd CL-Teilnehmer-Gehälter gezahlt habe, haben wir jetzt 3 Jahre lang für keinen wirklichen Ertrag, annähernd 1. Liga-Gehälter bezahlt.


Anleihen werden uns nicht mehr helfen, nun müssen kryptische Fan-Token her. Für irgendetwas müssen 80k+ Mitglieder ja gut sein, für sog. „Vereinsleben“ taugen sie offenkundig nicht.

In diesem Sinne.
Nur der HSV!

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