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Die drei ??? und der Aufstiegsfluch

Und erneut lässt der Rohrkrepierer im sogenannten Saisonendspurt die Spieler, die Offiziellen und die Fans des Hamburger Sport-Vereins ratlos zurück. Landauf-landab wird gerätselt, spekuliert und wild gemutmaßt, woran es denn diesmal lag, dass die einst komfortable Ausgangssituation im Punktetableau nicht ausreichte, um das hanseatische Dickschiff in den sicheren Hafen des Aufstiegs zu bringen.

Leckgeschlagen und mit Mastbruch dümpelt der HSV vor sich hin … zum dritten Mal in Folge von der Macht der Gewohnheit in die Knie gezwungen!?

Die Erklärungen für das generalstabsmäßige Versagen sind vielfältig und pendeln wie gewohnt zwischen Simplifizierung und Exotentum.


Angst und fehlende Eier?!


Einige Beobachter mit Expertise sehen wie gewohnt die Qualität einzelner Spieler oder/und die Mannschaft als Ganzes als unzureichend an. Eine in die Richtung gehende Analyse bekommt dann schon eine gewisse Tiefe, wenn zwischen konditionellen, motivationalen und individualtaktischen Fertigkeiten unterschieden wird.

Andere Experten meinen die Problematik auf die oft bemühte „Söldnermentalität“ reduzieren zu können. Spieler kommen und gehen, der Fan bleibt. Spieler gehen Arbeitsverträge ein, Fans eine ideell-emotionale Verbundenheit die oft über Generationen hinweg hält. In diesem Spannungsgefüge eine möglichst objektive und zutreffende Bewertung vorzunehmen macht einen äußerst schwierigen Spagat notwendig.


Ein Klassiker unter den Erklärungen ist natürlich die Ursachenverortung bei dem sportlichen Übungsleiter. Der Trainer sei zu alt, zu unerfahren, zu unflexibel, zu planlos. Ein bunter Strauß an Erklärungen … you name it! Das Training sei zu hart, zu lasch, zu taktiklastig-verkopft, zu eindimensional ausgerichtet. Das Spielsystem sei hingegen zu einfach ausrechenbar, zu verwirrend-kompliziert, zu uninspiriert. Ist der abkippende Sechser denn nun besser als der renitente linke Läufer, wenn er sich als Freigänger alter Schule in die Zwischenräume bewegt? Jeder hat so seine Meinung.


Die Fischköppe


Eine besondere Mühe machen sich diejenigen, die den Erklärungsrahmen weiter aufspannen und die Gründe im Führungspersonal des Vereins sehen. „Der Fisch stinkt vom Kopf!“ hat sich dabei als kalenderspruchhafte Erklärungskeule festgesetzt. Intellektuell differenzierter wird es, wenn der kritisch-reflektierende Fan Schlagworte wie flache bzw. steile Unternehmenshierarchie, Leistungskultur und Führungsstil droppen lässt. Von der missglückten Kaderplanung wollen wir gar nicht erst reden. Was wir gestern noch bejubelt haben, ist morgen schon die letzte Grütze. Ein interessantes Phänomen dabei ist, dass sich die Urteile überzeugender formulieren lassen, je weiter der Beobachter vom Gegenstand seiner Beobachtung entfernt steht.



Gleichsam esoterisch-verschwurbelt und realistisch-resigniert ist die zuletzt häufig geäußerte Annahme, dass böse Geister, Dämonen und Flüche am Werk sein müssen, nachdem man alle anderen systemrelevanten Einflussfaktoren konsequent über die letzten Jahre ausgetauscht hat. Und in der Tat, was bleibt uns nach all den Jahren der trostlosen Underperformance noch ernsthaft in Betracht zu ziehen?


Wer sich nicht hier oder da einem Erklärungsschema zugehörig fühlt, der werfe den Ersten ein.

In den kommenden Wochen wollen wir uns mit den gängigen Erklärungsversuchen auseinandersetzen. Hierzu lassen wir verschiedene interessante Personen zu Wort kommen!




Stay tuned, folks!


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